Kultur und Recht
oder
Wem gehören Raffaels Engel?
Kunst und Kultur waren schon immer Gegenstand juristischer Streitigkeiten. Sei es, dass der Auftraggeber mit seinem Konterfei nicht zufrieden war, sei es dass der Künstler sein Geld nicht bekam. Anlässe gibt es zuhauf, zumal heute, in Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit der Kunst. Jeder und alles wird geschützt, um sich besser und exklusiver vermarkten zu lassen...  

Raffaels Putten müssen nicht
anschaffen gehen

Dresden. Aufruhr in der Landeshauptstadt. Hat sich eine Prostituierte aus Moritzburg die beiden Engel der Sixtinischen Madonna als Marke schützen lassen? Will sie mit ihnen womöglich Anzeigen für ihre Dienste als blonde, wilde und leidenschaftliche Jeanette schmücken? Kann sie ab sofort Lizenzgebühren kassieren, wenn die Engel anderswo als auf ihren Produkten abgedruckt werden? - Dreimal nein, auch wenn eine Boulevardzeitung den Dresdnern einen Schrecken einjagte, als sie mitteilte, die beiden Raffael-Engel seien nun Privateigentum.

Maria Friedel, so heißt die Inhaberin der Marke mit bürgerlichem Namen, hat sich beim Deutschen Patent- und Markenamt in München eine Marke schützen lassen, so viel ist richtig. Allerdings, erklärt der Dresdner Patentanwalt Jens Riechelmann, habe sich Friedel eine so genannte Wort-Bild-Marke schützen lassen. Und die zeigt erstens nur den linken der beiden berühmten Engel und beinhaltet außerdem zwingend den Schriftzug Der Blaue Engel. "Das ist eine Marke, mit der sie wenig anfangen kann", findet Riechelmann. Denn Gebühren einnehmen kann die Inhaberin des Blauen Engels nur dann, wenn ihr Logo in dieser angemeldeten Form benutzt werden würde. Grundsätzlich möglich sei die Genehmigung einer solchen Marke, weil Gemälde ab 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers urheberrechtlich zum Allgemeingut gehören, erklärt der Dresdner Rechtsanwalt Markus Hoffmann. Allerdings gebe es durchaus und auch in Sachsen Initiativen für eine Änderung des Markenrechtes in diesem Punkt. "Die Frage ist, ob man Kulturgüter oder Teile davon überhaupt monopolisieren darf", sagt Hoffmann.

Bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden würde man es begrüßen, wenn Darstellungen aus Kunstwerken nicht markenrechtlich geschützt werden könnten, sagt deren Sprecher Tilmann von Stockhausen. Auch im Fall des Blauen Engels, der laut Markenregister zwar nur einen Engel abbilde, so von Stockhausen, "wäre es ärgerlich und imageschädigend, wenn er für einen unseriösen oder unangemessenen Zweck verwendet würde". Was Maria Friedel mit ihrer Marke tatsächlich vorhat, ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Sie hat sich den Blauen Engel jedenfalls nicht nur für Werbezwecke, sondern ganze neun Warenklassen sichern lassen: von Schmuck über Schreibwaren, Spielkarten, Spielzeuge bis hin zu Sportartikeln.

Anne Wawro

Quelle: http://www.lvz-online.de